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Pfarrkirche Schlitters

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Die Pfarrkirche Schlitters ist dem hl. Martinus geweiht. Das genaue Erbauungsjahr ist leider nicht bekannt. Der Name St. Martinus deutet aber auf die fränkische Oberherrschaft über die Bayern im 8. Jahrhundert hin. Urkundlich erstmalig erwähnt wird die heutige Pfarrkirche 1330 in der Schrift "Actum in Villa Sliters in ecclesia . Martini IV ld. Jan. Anno Domini MCCCXXX".

1740 wurde die gotische Kirche barockisiert. Durch eine Stiftung des Schwazer Priesters Anton Kreuzweger wurde Schlitters 1769 zu einem Kurat-Benefizum erhoben. Im Jahre 1891 wurde schließlich aus der Kuratie eine eigenständige Pfarre. Lokalpfarrer Peer (1833-1849) ließ die Kirche merklich vergrößern. Ihm verdankt sie ihre heutige äußere Form. Die von Josef Anton Mayr stammenden Decken- und Wandgemälde wurden später mit künstlerisch wertlosen Bildern übermalt.

In den Jahren 1954/1955 wurden die alten Gemälde wieder freigelegt. Die Kirche wurde im Inneren grundlegend restauriert. Ein schönes Altarblatt von Arnold schmückt den Hochaltar. Bemerkenswert ist auch das Christopherus Fresko an der Außenwand der Kirche.

In den Jahren 1972/1973 wurde ein neues Pfarrhaus erbaut. Von 1977 bis 1984 wurde eine umfassende Renovierung der Kirche durchgeführt. Die alte gotische Friedhofskapelle wurde abgerissen, der Friedhof erweitert und neu gestaltet. Turm und Außenfassade wurden gründlich restauriert und neu gestrichen. Auch der Innenraum der Kirche wurde renoviert.

In den Jahren 2007/2008 wurden wieder Restaurierungsarbeiten in größerem Umfang durchgeführt. Sie konnten Ende Mai 2008 mit der Weihe der Kirche durch den Bischof von Innsbruck abgeschlossen werden.

 

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Kurzbericht zu den Ausgrabungen in der Pfarrkirche Schlitters

Zwischen April und Juni 2007 wurde in der Pfarrkirche Schlitters eine archäologische Grabung durch das Bundesdenkmalamt unter der Leitung vom Landesarchäologen Mag. Pöll durchgeführt. Ausschlaggebend war die bevorstehende Generalsanierung der Kirche, was die einmalige Möglichkeit eröffnete, einen Blick in die Vergangenheit des Ortes zu werfen. Wäre die Ausgrabung nicht erfolgt, so wäre die nächste Chance für eine solche Untersuchung in ca. 150 bis 200 Jahren gewesen.

Insgesamt wurden fünf Bauperioden festgestellt. Der heutige schlichte Landhausbau mit polygonalem Chor und an diesen im Westen anstehenden Turm ist im Kern spätgotisch und datiert in die Zeit zwischen 1500 und 1505. Nur das westliche, vierte Joch wurde in einer Erweiterung der Kirche im Jahr 1740 erbaut.

Alle Vorgängerbauten befanden sich innerhalb der heutigen Kirche, was logisch ist, weil das früheste Gebäude immer erweitert und vergrößert wurde. Die Datierung der frühesten Entstehungsphase ist schwer festzulegen, weil entsprechendes Fundmaterial fehlt. Man ist deshalb auf die bautypologischen Kriterien angewiesen, die sich auf typische Mauerstärken und Ausführung des Mauerwerks stützen. Es gibt aus der Mauertypologie Hinweise auf ein Zurückreichen ins 7. bis 9. Jahrhundert, aber auch Argumente für eine Einreichung die Zeit des 11. Jahrhunderts sind anzutreffen.

Interessant ist, dass ich unter dem Fundament der ältesten Kirche ein Körpergrab befunden hat, das einfach überbaut wurde, was bedeutet, dass dieses Grab älter als der älteste Steinbau ist. Eine Analyse mit der C14-Methode wird das Alter dieses Grabes bestimmen und somit auch Aussagen über die 1. Bauphase ermöglichen.

Man hoffte, einen Vorgängerbau aus Holz zu finden. Es wurden zwar Pfostenlöcher entdeckt, der Nachweis eines Holzbaues ist allerdings nicht gelungen. Besondere Bedeutung hat der Fund einer eindeutig römischen Keramik, die im Altarraum zu Tage kam. Weiters wurde im hintersten Bereich der heutigen Kirche eine bronzezeitliche Keramik entdeckt. Ebenso wurden zwei Gruben nachgewiesen, die vermutlich ebenfalls in die Römerzeit gehören, worauf die Verfüllung mit Tierknochen und Fragmenten von Lavezgefäßen hindeutet. Durch diese Funde ist eine römerzeitliche Besiedlung im unmittelbaren Nahbereich der heutigen Kirche eindeutig belegt.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Ergebnisse der Ausgrabungen die Geschichte des Ortes Schlitters neu geschrieben haben. Der Nachweis römerzeitlicher Siedlungstätigkeit in Schlitters und der Fund einer bronzezeitlichen Keramik hat die Erwartungen weit übertroffen und datiert das Alter von Schlitters in vorgeschichtliche Zeit zurück. Ein detaillierter Bericht des Ausgrabungsleiters Mag. Pöll wird derzeit ausgearbeitet.